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Colostoma

Die Operation für die Damm- und Schließmuskelrekonstruktion verlief super! Alle Ärzte waren sehr zufrieden. Natürlich hatte ich starke Schmerzen. Mir wurde ein Blasenkatheter gelegt und ich hatte zwei Drainagen liegen, je einen in jeder Pobacke. Aber jeden Tag wurde es etwas besser. Alle Schläuche wurden nach und nach gezogen. Ich konnte wieder ein paar Schritte gehen und die Wundheilung war ein Paradebeispiel. Chefarzt Dr. Fleisch war so zufrieden, das ich nach sechs Tagen, am 13.11.17 entlassen wurde. Es war sehr müßig nach Hause zu kommen, Autofahrt, Treppen steigen und eine ziemlich lange Strecke zu Fuß. Aber endlich zu Hause! Der Abend verlief recht gut und in der Nacht konnte ich das erste mal nach einer Woche länger als 2 Stunden schlafen. Perfekt! 

Der nächste Morgen fing auch erst mal gut an. Käffchen getrunken, Katze gefüttert und dann fing der Horror an! In der Zeit nach der OP war es sehr wichtig regelmäßig MOVICOL zu nehmen, ein Pülverchen, das dafür sorgt, dass der Stuhl weich bleibt. Da es sich nicht so gut mit dem Morbus Crohn verträgt und ich bis zu 10 mal davon auf die Toilette musste, habe ich es einen Tag vorher abgesetzt. Großer Fehler! Ich konnte nicht aufs Klo. Aber wie das so ist, was raus muss, muss raus. Ich habe mich ca 7 Stunden gequält, 2 Klyss eingeführt, Movilcol eingenommen und und und. Nach Stunden der Quälerei tat sich dann endlich was. Kurz danach bekam ich Fieber. Dieses stieg dann kontinuierlich und die Schmerzen an den Operationsnähten würden schlimmer. Die Nähte schwollen an und als das Fieber bei fast 39 war und ich mich nicht mehr auf den Beinen halten konnte, entschied ich mich um 22:30 Uhr wieder ins Krankenhaus zu fahren. 

Nach einer kurzen Wartezeit in der Ambulanz kam der Oberarzt zur Untersuchung und murmelte sich irgendwas von „Fistel“ in den Bart. Also: Blutabnahme, Aufnahme, Bett zugewiesen bekommen und kurze Zeit später die erste Antibiotika-Infusion am Arm.


Am nächsten Morgen wurde ich dann zu Chefarzt Dr Böhnecke gebracht. Eine ausgiebige Untersuchung sollte Gewissheit bringen. Und was soll ich sagen, die Nähte der ersten OP sind gerissen. Alles umsonst. Die Schmerzen der letzten Woche, die Bemühungen der Ärzte und Schwestern. Und jetzt? Folgenden Satz werde ich wohl nie wieder vergessen: „Frau Franken, ich weiß, dass in Ihrer Patientenerklärung steht, dass sie keinen künstlichen Darmausgang haben möchten, aber vielleicht lassen sie den Gedanken doch mal zu.“

Fakt ist, dass die wieder entstandenen Wunden nicht heilen werden, so lange da Stuhl dran kommt. Verständlich, aber in diesem Moment nicht für mich. Die Gedanken überschlugen sich. Keine Alternative? Mein persönlicher Albtraum! 


Nun sind ein paar Tage vergangen, ich habe 24 Stunden am Tag Schmerzen, wiege nur noch 46 Kilo und ich habe lange, ausgiebige und aufklärende Gespräche mit verschiedenen Leuten gehalten. Die Chirurgin, die Schwestern auf meiner Station und die Stomatherapeutin ( sie ist übrigens eine Arbeitskollegin von mir, die Claudiiiiiiii)haben mir viel erklärt, mich beruhigt und mir Mut gemacht. Mittlerweile weiß ich, dass es so wie es jetzt ist, nicht weitergehen kann. Und es wird so auch nicht heilen. 

Der Gedanke „Colostoma“ und ich haben uns etwas angenähert. Es bleibt mir ja auch nichts anderes übrig. Für Dienstag, den 21.11. steht der Operationstermin. Wenn Montag zwischendurch Platz ist auch schon am Montag. 


Ich bin ein Beuteltier

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Kommentare: 3
  • #1

    Gerd Freiling (Sonntag, 19 November 2017 17:34)

    Hey, toller Blog. Drücke dir auch hier die Daumen ebenso wie als heim_kind bei Instagram. Wie gesagt auch mit dem Stoma lässt sich leben und du wirst wieder zunehmen und vor allem keine Schmerzen haben. Wäre ja auch sowieso dann nur vorübergehend wie ich das bei deiner Geschichte raus lese. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die OP am Dienstag oder vielleicht schon Montag. Lieben Gruß, Gerd.

  • #2

    Desiree (Sonntag, 19 November 2017 20:57)

    Ich weiß es ist alles nicht so leicht. Aber es ist doch schon mal gut das du dich mit dem Stoma Gedanken etwas "anfreunden" konntest.
    Ich Wünsche dir alles gute für die OP ��

  • #3

    Heinz (Mittwoch, 22 November 2017 20:27)

    Mein Gott das hatte ich auch das Stuhl im Bauch war. Dann wurde ich nochmal Operiert und es war gut. Späer noch eine Op. Danach bildete sich ein Apzes im Bauch und ich hatte fast 40 Grad Fieber. Der wurde nicht erkannt. Es wurde immer schlimmer. Mein Sohn setzte sich mit der Krankenkasse in Verbindung das ich verlegt werden wollte. Es war kein Problem. Man brachte mich nach Leverkusen auf der Crohn Station . Es wurde sofort ein CT gemacht und erkannte die Ursache. Es wurde eine Tränage in den Apzez gelegt und das Eiter ausgespült. Dann ging es aufwärts und es wurde alles besser. Später wurde der Apzes heraus Operiert. Ich hatte den Wunsch das kein Stoma gelegt wurde. Es wurden 25 cm Dickdarm gerettet und kein Stoma gelegt . Dank Professor Adamek und sein Thieme bin ich seit fast 7 Jahre in Remission. Danke